Internationaler Frauen*tag

Frauen* mussten schon immer für ihre Rechte kämpfen. Leider wurden diese Rechte ihnen nicht in die Wiege gelegt, wie das oft bei Männern* der Fall war – oder immer noch ist. Aus meiner Sicht hat sich die Situation deutlich verbessert, jedoch muss gar nicht allzu weit in die Vergangenheit geschaut werden, um zu merken, dass die Zustände früher deutlich schlimmer waren. Heutzutage ist es kaum noch vorstellbar, dass Frauen* vor den 70er Jahren ohne das Einverständnis ihres Ehemannes* nicht arbeiten durften oder dass sie per Gesetz ihrem Ehemann* sexuell zur Verfügung stehen mussten. Eigentlich durfte gar nichts ohne die Bewilligung des Ehemannes* passieren, nicht einmal eine Reise durfte eine Frau* ohne die Zustimmung ihres Ehemannes* unternehmen. Frauen* wurden bevormundet, man hielt ihnen jedes nur mögliche Recht vor und dies über Jahrhunderte.

Doch einige kämpften trotzdem immer weiter für die Gleichstellung. 1971 wurde in Grossteilen der Schweiz (endlich) das Frauenstimm- und Wahlrecht eingeführt und mit diesem riesigen Triumph kamen noch viele weitere. Das Denken unserer Gesellschaft wurde dank Frauen* wie Simone de Beauvoir und Betty Friedan auf den Kopf gestellt und noch heute gelten ihre Werke «Das andere Geschlecht» und «Der Weiblichkeitswahn» als Bibeln der feministischen Bewegung.

Leider sind wir immer noch nicht an dem Punkt angelangt, an dem wir eigentlich schon längstens stehen sollten. Frauen*quoten im Schweizer Parlament sind immer noch zum Heulen, Frauen* verdienen gegenüber den Männern* immer noch deutlich weniger, Menstruationsprodukte tragen eine Luxusgütersteuer und die Femizidraten sind weltweit gleichbleibend. In unserer Gesellschaft wird das Leben der Frau* absichtlich schwerer als das des Mannes* gemacht und unser Kampf dagegen fühlt sich manchmal an, als wären wir in einem Hamsterrad gefangen. Es ist schwierig, vor allem dann, wenn der Fortschritt manchmal nicht wirklich offensichtlich ist. Doch genau in solchen Momenten ist es wichtig, dass wir zurückschauen und uns vor Augen führen, wo wir mal waren und wo wir jetzt stehen.

Genau heute sollte der Tag sein, an dem wir stolzer als sonst auf uns sein sollten. Betrachten wir wie weit wir gekommen sind, was wir alles erreicht haben, aber auch das, was wir noch erreichen wollen, erreichen müssen. Feiern wir uns, seien wir stolz darauf, dass wir Frauen* sind.

 

Leider ist dieser Tag nicht nur dazu da, damit wir uns feiern können, sondern auch dazu, dass wir uns einmal mehr vor Augen führen, wofür wir eigentlich kämpfen. Wir kämpfen nicht gegen die Männer*, wir kämpfen gegen das Patriarchat, eine Gesellschaftsstruktur, welche zwar vor allem für Frauen aber auch für Männer* Nachteile birgt. Wir kämpfen nicht für uns allein, wir kämpfen für alle. Wir kämpfen für die, die nicht für sich selbst kämpfen können und für die, welche gekämpft haben und uns soweit gebracht haben. Das ist keine Bewegung für einzelne, das ist eine Bewegung für alle.

Der Wandel kommt und wir können ihn deutlich spüren.
Vor allem junge Frauen* nehmen in Sachen Politik das Ruder immer öfter in die Hand und stellen grossartige Dinge auf die Beine. In der Bündner Lokalpolitik regt sich so einiges, denn erst vor kurzem fanden anlässlich der Klimakrise Kundgebungen statt. Starke, junge Frauen standen an der Front und haben für eine der wichtigsten Dinge überhaupt gekämpft: unsere Umwelt. Am lautesten und auch am mutigsten waren Rosalina Müller, Sina Menn und Gianna Catrina, die Hauptorganisatorinnen des Bündner Klimastreiks, drei hochmotivierte junge Frauen*. Schon allein das ist ein Grund die Braulio-Gläser klirren zu lassen und ordentlich zu feiern.

Das Patriarchat stürzt sich nicht von selbst und leider auch nicht einfach, doch genau solche Tage wie den heutigen, lassen uns noch mehr bewusstwerden, dass es den Feminismus braucht. Es braucht ihn noch in Mexiko, wo alle 12 Stunden eine Frau* aufgrund ihres Geschlechtes getötet wird, es braucht ihn noch in Indien, wo Vergewaltigungen täglich passieren und ignoriert werden, und auch in der Schweiz, denn auch hier sind wir noch nicht beim Ideal angelangt.

Frohes Fest und kämpfen wir weiter, Genossinnen*!

(Artikel von Andrina Geller, Vorstand JUSO Graubünden)

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